Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Diskussionen in der Familie, im Verein oder in den sozialen Medien manchmal so verfahren sind? Warum fällt es uns so schwer, unsere Meinung zu ändern, selbst wenn uns Gegenargumente präsentiert werden? Die Antwort liegt in einem eingebauten Trick unseres Gehirns: dem Bestätigungsfehler (auf Englisch: Confirmation Bias).
Was ist der Bestätigungsfehler?
Unser Gehirn wird täglich mit Milliarden von Informationen überschüttet. Um Energie zu sparen und Widersprüche zu vermeiden, nutzt es einen Filter: Es sucht, bevorzugt und merkt sich vor allem jene Informationen, die unsere bereits bestehenden Überzeugungen bestätigen.
Gleichzeitig neigen wir dazu, Informationen, die unserer Meinung widersprechen, schlichtweg zu übersehen, als „Ausnahme“ abzutun oder sofort anzuzweifeln. Das passiert völlig unbewusst und betrifft jeden von uns – egal wie klug oder belesen wir sind.
Klassische Beispiele aus dem Alltag
Der Autokauf
Sie überlegen, sich ein bestimmtes Automodell zu kaufen. Plötzlich sehen Sie dieses Auto an jeder Ecke in Aulendorf herumfahren. Die Autos waren vorher auch schon da – aber Ihr Gehirn filtert sie jetzt aktiv heraus, weil sie für Sie relevant geworden sind.
Der Wetter-Mythos
Jemand ist fest davon überzeugt: „Immer wenn ich frei habe, regnet es!“ An die drei sonnigen freien Tage erinnert sich die Person kaum – aber der eine Regentag bleibt als „Beweis“ für die eigene Theorie im Gedächtnis.
Gesundheit & Google
Wer unter leichtem Kopfschmerz leidet und im Internet nach Symptomen sucht, wird genau die Berichte anklicken, die die eigene Befürchtung („Es ist bestimmt etwas Schlimmes!“) bestätigen – und die Entwarnungen übersehen.
Politik und Nachrichten
Wenn wir eine Zeitung lesen oder Kanäle abonnieren, die ohnehin unsere politische Meinung teilen, fühlen wir uns bestätigt. Taucht ein kritischer Bericht auf, neigen wir dazu, dem Medium oder dem Autor sofort Misstrauen entgegenzubringen.
Wie überlistet man den Fehler im Alltag?
Sich des Fehlers bewusst zu sein, ist schon der halbe Sieg. Um im Alltag sachlicher und entspannter zu urteilen, helfen drei einfache Fragen:
1. Suche ich nach der Wahrheit oder nach Bestätigung?
Versuchen Sie beim Informieren im Netz bewusst, auch mal die Gegenseite zu lesen. Suchen Sie nach Argumenten, die Ihre Meinung widerlegen könnten.
2. Woher kommt diese Information?
Prüfen Sie Quellen sachlich – besonders wenn eine Nachricht perfekt in Ihr Weltbild passt und Sie sich emotional sofort bestätigt fühlen.
3. Andere Meinungen als Bereicherung sehen
Wenn jemand in Aulendorf eine andere Sichtweise auf ein Thema hat, fragen Sie nach dem „Warum“. Oft hat das Gegenüber einfach andere Erfahrungen gemacht oder andere Fakten im Blick.
Fazit
Unser Gehirn mag es gemütlich und bleibt gern bei Recht behalten. Doch echter Fortschritt und ein gutes Miteinander entstehen dort, wo wir bereit sind, unseren inneren Filter ab und zu kritisch zu hinterfragen.
Bleiben Sie neugierig und offen!
Ihre Solidarische Gemeinde Aulendorf